Eine Bilanz nach fünf Tagen Baku

Nach fünf Tagen in Baku ist es Zeit, Bilanz zu ziehen. Noch nie zuvor war der große Grand-Prix-Zirkus in eine Stadt eingefallen, die so weit östlich liegt. Der östlichste Song Contest war gleichzeitig der politischste. Nie zuvor wurde so viel über Menschenrechte diskutiert, wo es doch eigentlich um die Musik gehen sollte.

Man muss den Verantwortlichen in Baku bescheinigen, dass sie jede Mühe auf sich genommen haben, es den internationalen Gästen so angenehm wie möglich zu machen. Geld hatte dabei offenbar keine Rolle gespielt. Flugs wurden 4000 neue Taxis gekauft, der Boulevard am Ufer des Kaspischen Meers fertiggestellt, eine neue Veranstaltungshalle gebaut und, und, und.

Schicke Promenaden reichen nicht. In Baku muss Demokratie ernst genommen werden.

Insofern gebührt den Bakuern Dank für die Gastfreundschaft. Ich selbst habe mich stets willkommen gefühlt. Und sicher. Das hat natürlich mit der beeindruckend großen Polizei- und Security-Präsenz zu tun. Einigen Kollegen war das eine Spur zu viel. „Polizeistaat“ riefen sie. Dabei durfte sich jeder frei bewegen.
Was bleibt nun in Baku? Der Grand-Prix-Zirkus ist wieder abgezogen. Spricht bald noch jemand über diese Stadt? Wir sollten Aserbaidschan nicht aus den Augen verlieren. Das haben die Menschen dort verdient.
Es wäre schade, wenn die Menschenrechtssituation in Aserbaidschan schon in wenigen Wochen niemand mehr interessiert. Präsident Alijew muss den öffentlichen, internationalen Druck aushalten uns sollte Demokratie 20 Jahre nach der Perestroika ernst nehmen. Da kann es nicht schaden, wenn auch ohne Grand Prix die westliche Welt immer mal wieder nach Baku blickt.

4 Gedanken zu “Eine Bilanz nach fünf Tagen Baku

  1. Dann warten wir malab, was diese Zeitung wann mal wieder über Aserbeidschan schreibt. Englische Lobeshymnen nach einem Blog, der die Menschenrechtsverletzungen und die Brutalität der Verfolgung von Journalisten und Menschenrechtler relativiert. So geht es, wenn die Privinz mal raus darf – Hauptsache, nett muss es sein. Was wäre, wenn ein Redakteur Ihrer Zeitung zusammen geschlagen würde, bedroht, verfolgt? Würden Sie dann auch darüber schreiben, dass es doch eigentlich um Musik geht?
    Gute Besserung allerseits.

  2. “Der Kommentar muss noch moderiert werden” …
    Welch ein Verständnis von “freiem Journalismus”..
    Der Kommentar wird zensiert, nicht “moderiert”.

    Das wird hoffentlich nicht an dem Beispiel liegen, dass das Regime in Aserbeidschan geliefert hat.

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